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So lautete das Motto des Workshops mit Marzena Lach, den die SCUG Bogenschützen ihren Mitgliedern am vergangenen Samstag anbieten konnten. Dabei plauderte die ehemalige Schützin des polnischen Nationalkaders aus dem Nähkästchen des Profisports, gab handfeste Ratschläge für eine erfolgreiche Trainingsarbeit und begeisterte alle Teilnehmer mit ihrer frischen und kurzweiligen Vortragsart.

„Als ich mit 10 Jahren in Polen mit dem Bogenschießen begann, bekam ich einen Bogen mit grade mal 5 bis 7 Pfund Zuggewicht. Das Visier bestand aus einer Stecknadel, die mit Hilfe eines Pflasters am Bogen befestigt war und der Trainer befahl schlicht schieß! - und ich schoss. Auf maximal 3 Meter Entfernung und so lange, bis ich meine Pfeile dicht gruppiert auf der Scheibe beisammenhatte. Dann durfte ich 3 Meter zurückgehen und weiter schießen, und schießen. Irgendwann brachte ich meine Pfeile erneut sehr nah zusammen und ich durfte die Entfernung um weitere 5 Meter erhöhen. So ging es immer weiter, bis ich irgendwann bei einer Distanz von 40 Metern ankam. Immer noch mit meinem Bogen mit unter 10 Pfund Zuggewicht und der Stecknadel als Visier. Um ins Zentrum der Scheibe zu treffen, musste ich meine Stecknadel inzwischen weit über der Zielscheibe anhalten, um sie zu treffen. Aber ich traf. Und warum? Weil ich es wollte! Ich fand meinen Weg, mit diesen einfachen Materialien auch aus 40 Metern Entfernung die Scheibenmitte zu treffen.“

MLWork 3106Mit diesen einleitenden Worten zog Marzena ihre Zuhörer in ihren Bann. Alle waren gespannt, was da noch kommen würde. Und es folgten handfeste Ratschläge für eine erfolgreiche Trainingsarbeit. Wie bereitet man sich am besten auf einen Wettkampf vor und vor allem, was ist überhaupt ein Wettkampf. Marzena hat da ihre persönliche Definition: „Wettkampf ist die Präsentation der Leistung, die ich im Training entwickelt und aufgebaut habe.“ Entsprechend dieser Definition bietet ein Wettkampf also die Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten zu überprüfen, sozusagen eine Standortbestimmung mit Feedback, ob man sich auf dem richtigen Weg befindet. „Ein Turnier ist für mich ein Training, nur unter etwas veränderten Bedingungen.“

Unter diesem Aspekt bekommt ein Wettkampf eine völlig andere Dimension: „Ich befinde mich nicht im Wettkampfstress, ich muss nicht unbedingt gewinnen. Ich zeige den anderen Teilnehmern lediglich, was ich kann und stelle dabei fest, was die anderen können. Ist dieser (selbstgemachte) Druck, alles richtig machen zu müssen, erstmal raus, schafft man es besser, im Wettkampf mit der Einstellung eines Trainings zu schießen. Und dadurch wird man deutlich bessere Ergebnisse erzielen“, verspricht Marzena.

Und damit erreichte sie den wohl wichtigsten Punkt ihres Workshops: die mentale Stärke. Das bedeutet, dass der Schussablauf erst einmal verinnerlicht sein und der Körper intuitiv wissen muss, was zu tun ist, um einen guten Schuss abzugeben. Sobald es soweit ist, kommt es „nur“ noch darauf an, in den entscheidenden Momenten voll konzentriert zu sein und sich nicht beirren zu lassen. „Die Schießtechnik kann ich mir bei jedem Schützen abschauen und - wenn ich will - auch übernehmen. Aber das, was mental in ihm abläuft, das sehe ich nicht“, leitet Marzena diesen Part ein. Ein zentraler Faktor dabei ist die Wettkampf-(Trainings)Vorbereitung. Sie erzählt, wie sie sich mit dem Turnierplatz vertraut macht: Sie stellt sich auf die Schusslinie, zieht ihren Bogen (ohne Pfeil) und begrüßt ihre Scheibe. „Hi, du bist meine Scheibe. Ich versuche dich zu treffen, machst du mit?“ Damit baut sie sich ihr mentales Häuschen, das sie schützt und ihr hilft, ihre Konzentration aufrecht zu erhalten.

MLWork 3119Wow - das war eine ganze Menge Input. Aber noch längst nicht alles. Denn nun folgt der Praxisteil. Es ging ab in die Sporthalle und ran an die Bögen. Dachten die Teilnehmer zumindest. Marzena aber drückte jedem von ihnen statt einem Bogen ein Theraband in die Hand. „Beine leicht auseinander, Pobacken zusammenkneifen, vor dem Vollauszug durchschnaufen, die Finger der Bogenhand lockern und den Zugarm entspannen!“ Das war die Aufgabe, die Marzena ihren Teilnehmern bei der Simulation eines Schussablaufs mit dem elastischen Band mitteilte. Nachdem die Übung mit dem Band klappte, durften auch endlich die Bögen in die Hand genommen werden. Und es musste mit geschlossenen Augen geschossen worden. Nach anfänglichem Zögern waren die Schützen jedoch beeindruckt. „Das Wichtigste ist der Gleichklang zwischen Druck und Zug“, erklärte Marzena den Sinn dieser Übung. „Wenn das Verhältnis zwischen dem Druck im Bogenarm bei lockeren Fingern der Bogenhand und dem Zug in der Rückenmuskulatur, aufgebaut durch einen entspannten Zugarm, nicht ausgewogen ist, wird das nichts“, war eine der wichtigsten Botschaften des Praxisteils.

Zum Abschluss gab es noch einen Test: Bis zum Beginn der Positionsphase 3 durften die Augen geöffnet bleiben. Mit geschlossenen Augen wurde in den Vollauszug gegangen und anschließend kontrolliert, ob sich das Visier nach Positionsphase 3 noch an derselben Stelle befand. „Wenn ja“, so das Statement von Marzena, „wurde der Vollauszug in perfekter Weise, nämlich nahe am Körper entlang, ausgeführt. Wenn nein, muss das noch geübt werden.“

Mit einer Hausaufgabe für das nächste ML-Training verabschiedete sich Marzena und erntete für diesen überaus gelungenen Workshop tosenden Applaus aller Teilnehmer.

 

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